Auf der Fraktionsklausur am 10. Januar wurden viele kleine Pflöcke eingeschlagen
Wie gehen wir als stärkste Oppositionskraft in Lemgo in die bevorstehende Wahlperiode? Welche Themen wollen wir nach vorne bringen, welche Schwerpunkte setzen? Wie begegnen wir den Herausforderungen in unserer Stadt mit grünem Profil? Um diese und weitere Fragen ging es bei der Klausur der grünen Ratsfraktion am 10. Januar 2026.
Außer den sieben stimmberechtigten Mitgliedern des Stadtrates waren auch zahlreiche sachkundige Bürger:innen mit dabei. Insgesamt zwanzig Frauen und Männer erlebten im Gemeindehaus St. Marien eine gut strukturierte, arbeitsreiche Tagung mit Ideen, Vorschlägen, Diskussionen, Präsentationen, Visionen.
Was kam heraus, wie geht es weiter?
Interview mit Fraktionssprecherin Katharina Kleine Vennekate und Fraktionssprecher Detlef Höltke.

Sorgen um den Klimawandel sind nicht kleiner geworden
Ihr habt für die Klausur eine „Vision für die kommende Wahlperiode“ entworfen. Demnach stehen wir für „eine klare grüne Haltung, für ökologische Verantwortung, soziale Gerechtigkeit und eine offene, vielfältige und demokratische Stadtgesellschaft“. So weit, so selbstverständlich grün. Das ökologische Thema interessiert aber offenbar nicht mehr so viele Menschen in Lemgo wie noch vor wenigen Jahren. Wie können wir ein breiteres Interesse daran wecken?
Detlef: „Es stimmt, nach den Aktionen von „Fridays for Future“ war der Klimawandel auf Platz eins der politisch und gesellschaftlich relevanten Themen. Hier hat sich das Ranking deutlich verändert. Aber die Sorgen um den Klimawandel und die Klimafolgeanpassungen sind dabei nicht kleiner geworden. Wir müssen das Thema auch bei uns wieder stärker in den Fokus nehmen und in Lemgo darüber wieder ins Gespräch kommen. Das schaffen wir aber nur, wenn wir über den Klimawandel – unabhängig von den tagespolitischen Beratungen – in der Stadtgesellschaft thematisieren. Dabei ganz wichtig: Wir schüren keine Ängste, sondern heben die Chancen hervor.„
Katharina: „Das Thema ist zwar weitgehend aus der öffentlichen Debatte verschwunden, aber der Klimawandel nimmt darauf keine Rücksicht. Alle spüren die zunehmende Hitze im Sommer deutlich. Sie ist ein Gesundheitsrisiko für ältere Menschen und Kleinkinder. Deshalb brauchen wir Maßnahmen, um diese Menschen besser zu schützen, zum Beispiel durch Hitzeschutz auf Spielplätzen.„
Positive Effekte von Regelungen herausheben
Die fünf Arbeitsgruppen Bildung, Soziales und Kultur, Verkehr, Umwelt und Klima sowie Stadtentwicklung/Wirtschaft und Digitales haben eine Fülle von Anregungen erarbeitet. Ein Beispiel für viele: „Tempo 30 innerorts“. Wie lässt sich dabei verhindern, dass wir wie so oft, von interessierter Seite als Verbotspartei beschimpft werden?
Detlef: „Die Erzählung „Grüne als Verbotspartei“ wird von außen weiterhin hochgehalten und viele Medien beteiligen sich daran. Das sollte uns nicht daran hindern, für unsere Überzeugungen einzustehen. Schon jetzt gibt es viele Tempo-30-Bereiche in der Stadt. Und die allermeisten Menschen leben ganz gut damit. Wir müssen die positiven Effekte dieser Regelung herausheben. Jetzt geht es darum, die restlichen Schulwege in die Tempo-30-Bereiche aufzunehmen, damit unsere Kinder auch in Zukunft sicher zur Schule kommen. Die Sicherheit der Kinder im Straßenverkehr ist nicht verhandelbar!„
Katharina: „Wer ehrlich ist, wird zugeben: Die Zeitersparnis bei 50 Stundenkilometern gegenüber Tempo 30 ist bei einer Fahrt durch Lemgo winzig, die Diskussion darüber hat irrationale Züge.“


Gibt es weitere Arbeitsgruppen-Ergebnisse, die euch besonders wichtig sind?
Detlef: „Zunächst müssen wir anerkennen, dass sich alle engagiert in den Arbeitsgruppen eingebracht haben. Das ist wichtig für den weiteren Prozess, für die Konzentration auf ein, zwei Themen, die wir in diesem Jahr angehen wollen. Welche Themen das sein werden, wollen wir bald entscheiden. Mir persönlich ist das Thema „Vision Zero“ im Straßenverkehr sehr wichtig, also die Idee einer Mobilität ohne Verkehrstote und -verletzte. Außerdem: die Themen Erinnerungskultur und Demokratie sowie die Fragen zu einer lebenswerten Stadt ganz allgemein.“
Katharina: „Aktuell ganz wichtig: Resilienz, also Widerstandskraft in Krisensituationen. Dabei geht es zum einen um übergreifende, kommunale Aufgaben: Wie kann unsere Infrastruktur – Strom, Wasser, Energie – geschützt werden? Zum andern individuell: Es geht darum, Menschen zu helfen, die unter solchen Krisen leiden, besonders psychisch.“
Viele Ideen – Prioritäten jetzt wichtig
Am Klausurtag sprudelten die Ideen, doch es gab auch das Bedenken, dass das meiste unter den schweren Stiefeln des Alltagsgeschäfts auf der Strecke bleiben wird. Das lehrt die Erfahrung. Und wenn es bei hoffnungsvollen Ansätzen bleibt, die später im Sande verlaufen, führt das nur zu Frustration. Wäre die Beschränkung auf ein Thema, das dann wirklich in eine wirkungsvolle Kampagne mündet, nicht klüger?
Katharina: „Viele Themen sind von vielen verschiedenen Seiten beleuchtet worden. Das müssen wir jetzt bündeln und dann Prioritäten setzen. So entsteht ein Arbeitsplan, der immer wieder an die Herausforderungen angepasst wird. Und das nicht nur in Politik und Verwaltung, also in Ausschüssen und Ratssitzugen, sondern auch in der Zilvilgesellschaft: im Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern, wo der Schuh drückt. Dieser Arbeitsplan umfasst Themen nicht nur für 2026, sondern für die ganze Wahlperiode.„
Detlef: „Das wird eine wichtige Aufgabe für die nächste Zeit werden. Wir haben viele engagierte Menschen bei uns in der Fraktion, die ein spezielles und umfangreiches Wissen in unsere Arbeit einbringen können. In den nächsten Monaten sollten wir ein, zwei Themen identifizieren, die wir dann strukturiert planen und nach vorne bringen.„
Am Ende gab es ein Meinungsbild – jeder hatte für seine Prioritäten drei Punkte zu vergeben. An der Spitze lag das Thema „Klimaneutrales Wohnen bei bezahlbarer Energie“ (neun Punkte), gefolgt von „Vision Zero“ (sieben) und „Lebenswerte Stadt“ (fünf). Eure Position dazu?
Detlef: „Wir haben ja betont, dass das noch keine Entscheidung darstellt, sondern eine Tendenz aufzeigen soll.
Das sind für sich alles wichtige Themen, die uns sehr am Herzen liegen.“

“Lebenswerte Stadt“ mit klarem Konzept – Arbeitsplan nächster Schritt
Es gab den Einwand, das Ziel einer „lebenswerten Stadt“ sei so allgemein, dass es ebenso die CDU oder die SPD auf ihre Fahnen schreiben könnte, denn jeder kann darunter etwas anderes verstehen. Ist der Einwand berechtigt?
Detlef: „Auf den ersten Blick scheint der Einwand berechtigt, eben weil andere Parteien etwas anderes unter dem Begriff „lebenswerte Stadt“ verstehen als wir. Wir denken zum Beispiel an Klimafolgenanpassung, damit die Menschen in den heißen Sommern gesund bleiben und Aufenthaltsorte finden, die die Hitze erträglich machen. Wir denken an gute und lückenlose Radwege, an ausreichend Platz für Fußgänger. Wir sehen das Potenzial des Stadtbusses bei weitem nicht als ausgeschöpft an. Wir haben hier ein gutes System, das wir Schritt für Schritt ausbauen wollen. Wir brauchen einen Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Mobilität. Wir wollen kulturelle Vielfalt erhalten. Wir müssen auf unsere Demokratie aufpassen! Demokratien waren selten so fragil wie jetzt. Wir dürfen auch Kinder und Jugendliche nicht aus dem Blick verlieren. Hier geht es um Mitbestimmung, Chancengleichheit und Gerechtigkeit. Wir haben viele Ideen für eine lebenswerte Stadt!“
Katharina: „Klimafragen sind immer im Zusammenhang mit sozialen Fragen zu denken, wie das Beispiel klimaneutrales Wohnen mit bezahlbarer Energie zeigt. Menschen wollen etwas für Klimaschutz tun, aber man darf sie nicht überfordern und es muss sozial gerecht sein.“
Und wie geht es jetzt weiter?
Katharina: „Die Entwicklung des genannten Arbeitsplans ist der nächste Schritt.„
Detlef: „Genau, wir diskutieren das Meinungsbild von der Klausur, um dann mit der Fraktion eine Entscheidung zu treffen. Wenn ehrenamtliche Kommunalpolitik Spaß macht, entsteht Begeisterung. Diese Energie wollen wir nutzen, um unseren Beitrag zu leisten und Lemgo zu gestalten.“
Sehr gut.
Macht in Lemgo 30-40 kmh und es passt . Schneller als 40 kmh Fahrt kaum einer, in der Innenstadt. Ausfallstrassen Innerorts, 50 kmh. Damit der Verkehr zügig abfließen kann.
Bezahlbarer Wohnraum, alleinstehende, ältere Menschen, Selbstversorger, in die umzubauenden Leerstände Mittelstraße, Fernwärme und bezahlbaren Strom.
In Jugendzentren gehen und, ohne grun raus zu hängen, mit den anderen demokratischen Parteien, den jungen Menschen mitnehmen Demokratie starken. Wichtig.
Kinderspielplatze, Wall Leopoldapotheke, da stehen hohe Bäume, postenweg, begrünt. Das weiß ich .
Viel Glück. Lemgo, NRW, Deutschland, braucht grun
Manni