Die Diskussion um das Schülerticket in Lemgo hat sich über Monate hingezogen – nicht zuletzt, weil zwei grundlegend unterschiedliche Modelle gegenüberstanden: ein kostenloses Ticket für alle oder ein Modell mit Eigenanteil der Eltern.
Wir von Bündnis 90/Die Grünen haben uns von Anfang an klar für ein kostenfreies Schülerticket für alle eingesetzt – unabhängig vom Wohnort innerhalb Lemgos. Unser Ziel ist es, Schüler:innen echte Mobilität ohne finanzielle Hürden zu ermöglichen, den ÖPNV zu stärken, Bürokratie für Schulen und Eltern zu reduzieren und außerschulische Lernorte in ganz NRW unkompliziert erreichbar zu machen.
Dafür haben wir ein WestfalenTicket vorgeschlagen, das freie Fahrt in ganz NRW ermöglicht. Für dieses Modell gab es im Rat jedoch keine Mehrheit.
Der nun vorgelegte gemeinsame Vorschlag von CDU und SPD – ein kostenfreies Deutschlandticket für anspruchsberechtigte Schüler:innen sowie die Lemgo Card für alle anderen – greift einige unserer zentralen Forderungen auf.
Die CDU scheint sich durchgerungen zu haben, grüne Forderungen nach einem kostenlosen Schülerticket aufzunehmen. Wir begrüßen, dass auch die Begründungen im gemeinsamen Antrag von CDU und SPD deutlich unsere Handschrift tragen: Bürokratieabbau, die Entlastung der Eltern, die Stärkung des Stadtbusses sowie die frühzeitige Gewöhnung an den ÖPNV durch ein kostenloses Ticket. Auch die Stadtwerke profitieren von diesem Modell. So weit, so gut.
Gleichzeitig bleiben wesentliche Probleme bestehen
Erstens: Das Modell schafft eine deutliche Ungleichbehandlung. Während anspruchsberechtigte Schüler:innen bundesweit mobil sind, können sich andere kostenfrei nur im Stadtgebiet bewegen. Das bedeutet konkret: Für manche ist eine Fahrt bis München möglich, andere müssen bereits für den Weg nach Bielefeld bezahlen. Diese Ungleichheit wirkt sich auch auf Klassenausflüge und den Zugang zu außerschulischen Lernorten aus.
Zweitens: Der organisatorische und finanzielle Aufwand für Fahrten bleibt bei den Lehrkräften. Das führt in der Praxis häufig dazu, dass nicht der ÖPNV genutzt wird, sondern kostenintensive Busanmietungen erforderlich sind.
Unser Fazit: Der Kompromiss ist ein Schritt in die richtige Richtung – aber er bleibt hinter dem Anspruch eines wirklich gerechten und einfachen Schülertickets zurück. Was lange währt, wird in Lemgo leider nur halb gut.
Artikel kommentieren