Nordumgehung ist verzichtbar

Detlef Höltke
Detlef Höltke

Angesichts vieler tausend Kilometer Bundes- und Landstraßen in Nordrhein-Westfalen und über 280 Kilometer Stadtstraßen in Lemgo, stellt sich die Frage, was soll, was kann eine Umgehungstraße leisten? Die Anwohner von Gosebrede und Richard-Wagner-Straße leben mit einer Dichte von über 20.000 Kfz/24 Std. an einer stark frequentierten Straße. Die Prognose im Gutachten verspricht aber nur eine Entlastung von maximal 26 %. Doch was bedeutet eigentlich Entlastung in diesem Zusammenhang? Das Fraunhofer-Institut hat nach einer Untersuchung erklärt, dass ein 50-%-Entlastung notwendig ist, damit Menschen davon profitieren. Davon sind wir nach dem Gutachten weit entfernt. Vier Fahrzeuge pro Minute weniger rechtfertigen keinesfalls den Bau einer Umgehungsstraße.

Der Bau der Südumgehung hat schon gezeigt, wie schwer Prognosen einzuhalten sind. Waren in dem Gutachten 10500 Kfz./24 Std. prognostiziert, benutzen heute nur 7500 Kfz./24 Std. die Südumgehung.

Die Modal-Split-Untersuchung 2011 hat gezeigt, dass wir einen Anteil von 75 % Binnenverkehr (Fahrt beginnt in der Stadt und endet dort) haben. Diese 75 % benötigen keine Umgehungsstraße. Ein Blick auf den Stadtplan verdeutlicht, dass die nördliche Spange (von der Hamelner Straße über die Richard-Wagner-Straße bis zur Herforder Straße) den Verkehr der nördlich und südlich davon gelegenen Wohnquartiere aufnimmt und reguliert.

Als nach dem Linienbestimmungsverfahren 2004 erkennbar wurde, dass sich die Umgehungsstraße nicht so schnell realisieren lässt, wie von den Straßenbefürwortern gewünscht, hat die Grüne Fraktion in einem Antrag zur EU-Umgebungslärmrichtlinie für die Richard-Wagner-Straße gefordert, in Absprache mit dem Landesbetrieb Straßen NRW auf der Gosebrede einen Flüsterasphalt einzubauen und eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h für den gesamten Bereich anzuordnen. Das hat die Mehrheit im Lemgoer Rat mit dem Hinweis auf die Umgehungsstraße abgelehnt. Heute zeigt sich die Kurzsichtigkeit der Entscheidung – zumal die Landesregierung ein Straßenbauprogramm beschlossen hat, dessen Umsetzung etwa 10 Jahre dauern wird. Darin ist die Nordumgehung nicht enthalten. Hier wurde erkannt, dass die geplante Straße zu den 60 % der Ortumgehungen gehören wird, die zu keiner oder nur zu einer geringen Entlastung führen.

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