Marke mit nachhaltiger Ausstrahlung: Bürgermeister Borgmann referierte über „Slow City – Lebenswerte Stadt“

„Der Qualität einen Namen geben“ – mit diesen Worten warb Richard Borgmann in Lemgo für eine regional bewusste und nachhaltige Stadtentwicklung.

Slow City – Lebenswerte Stadt - Redner
v.l.: Wolfgang Jäger, Günter Puzberg, Burkhard Pohl, Richard Borgmann. Foto: Lippe aktuell/Gedeik

Am 1. März sprach der Bürgermeister der Stadt Lüdinghausen vor 60 Zuhörern im Foyer St. Johann über das internationale Netzwerk „Cittàslow – Slow City“. Eine weltweite Initiative, der in Europa 125 Städte angehören, darunter neun in Deutschland. Eingeladen hatte die grüne Ratsfraktion mit Unterstützung von Lippequalität und Lemgo-Marketing.

Im Jahr 2007 wurde Lüdinghausen zur ersten Slow City in Nordrhein-Westfalen – Konzeption und Idee waren dem Engagement der Bürgerschaft entsprungen. Mit dem Label Slow City verbindet sich z.B. der Wille zur Aufwertung regionaler Erzeugnisse, zu konsequenter Umweltpolitik und einer barrierefreien Infrastruktur.

Mit dem Gütesiegel habe Lüdinghausen deutlich an Zugkraft gewonnen, so Richard Borgmann. Im Wettbewerb der Kommunen habe die Stadt ihre vorhandenen Stärken medienwirksam profiliert. Davon zeugte neben steigenden Touristenzahlen auch die Aufmerksamkeit der überregionalen Presse, bis hin zum Evangelischen Kirchentag, wo Lüdinghausens Bürgermeister eingeladen wurde.

Lemgo solle diese Chance nutzen und den Antrag zur Aufnahme ins Netzwerk „Cittàslow“ stellen – diese Haltung vertrat Günter Puzberg, Vorsitzender des Vereins Lippequalität. Puzberg entdeckte viele Gemeinsamkeiten mit den bereits vorhandenen Lemgoer Standards. Gleichzeitig mahnte er an die Notwendigkeit eines echten Regionalmarketings. Dazu müssten auch die Bürgerinnen und Bürger selbst etwas beitragen: „Wie willig sind Sie, einheimische Produkte anzubieten und zu kaufen?“

Ein Appell, den einige Zuhörer engagiert aufgriffen. Man müsse immer wieder neu lernen, das Lokale zu schätzen, so ein Beitrag. Kontroverse Meinungen rief das Attribut der „Langsamkeit“ hervor. Andere wiesen darauf hin, dass zur „Lebenswerten Stadt“ nicht nur die Gastronomie, sondern auch ein funktionierender und altersgerechter Nahverkehr gehöre.

Stadtmarketing-Geschäftsführer Wolfgang Jäger sah sich von den Ausführungen zur Slow City bestätigt. Viele der Lüdinghauser Initiativen seien auch in Lemgo umgesetzt. Wichtiger als ein bestimmtes Label sei die Aufgabe, Kaufkraft in der Stadt zu binden. Jäger sah dabei wie seine Vorredner ein Nachholbedürfnis bei der Vermarktung regionaler Produkte in der Gastronomie.

Richard Borgmann warnte abschließend vor Selbstzufriedenheit: „Die Lebenswerte Stadt ist ein ständiger Auftrag. Man muss etwas dafür tun, dass die Stadt so bleibt und das Eigene weiter nutzen kann.“

Grünen-Fraktionsvorsitzender und Moderator Burkhard Pohl resümierte: „Heute abend gab es einen echten Bürgerdialog in Lemgo, so wie vor fünf Jahren auch in Lüdinghausen. Haushaltsloch, Klimakrise und demografischer Wandel zwingen uns zum Handeln. Slow City ist vor allem das selbstbewusste Bekenntnis zur Nachhaltigkeit. Lüdinghausen hat eine Marke von europaweiter Ausstrahlung – Lemgo ist Spitze beim Umweltschutz und bei einer behutsamen Stadtentwicklung. Damit müssen wir aber auch offensiv nach außen treten. Wir nehmen dies als Auftrag für die Politik und Zivilgesellschaft mit.“

Eine Idee aus Lüdinghausen scheint bereits jetzt gefruchtet zu haben: Die Einführung von Speisekarten mit regionalen Erzeugnissen wurde im Anschluss heftig diskutiert.

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