Die dreckige Seite der Atompolitik – Koczy besucht Atomanlage in Brasilien

Ute Koczy mit demonstrierenden Uran-BergarbeiterInnen
Ute Koczy mit der vom Uranabbau direkt betroffenen Bevölkerung vor Ort, in unmittelbarer Nähe der Mine Caitité.

Es wird oft ignoriert: Auch international setzt die Bundesregierung auf den Bau von Atomanlagen. So nutzte Siemens/AREVA als erste Firma den atomfreundlichen Kurs der schwarzgelben Bundesregierung und beantragte eine Export-Kredit-Garantie für den Bau eines AKWs in Brasilien. Diese wurde für die Anlage Angra 3 westlich von Rio de Janeiro im Grundsatz genehmigt.

Als Kritikerin dieser Bürgschaft, die sich immerhin auf eine Höhe von bis zu 2,5 Milliarden Euro belaufen kann, informierte sich die lippische Bundestagsabgeordnete Ute Koczy Ende August vor Ort.

Es spricht für die funktionierende brasilianische Demokratie, dass die entwicklungspolitische Sprecherin auch als Oppositionspolitikerin empfangen wurde und mit hochrangigen Ministern über das Atomprogramm sprechen konnte. Die Reise war über die Heinrich-Böll-Stiftung vorbereitet worden und führte nicht nur zu der Anlage selbst, sondern auch in die Hauptstadt Brasilia sowie zur Uranmine bei Caitité.

„Aus vielen Gründen sehe ich hohe Risiken beim Bau dieser veralteten Anlage, die vor über 20 Jahren angedacht war. Ich fordere die Bundesregierung auf, ihre Zusage für die Export-Kredit-Versicherung zurückziehen“, so das Fazit der Abgeordneten. „Ich finde es völlig untragbar, dass Betreiber und die Kontrolle der Atomanlagen in einer Hand sind. Außerdem sind die ökonomischen Risiken unkalkulierbar, denn weder sind Evakuierungsmaßnahmen der Stadt Angra dos Reis, noch Nachrüstungen oder irgendeine Art von Endlagerung in den Kosten enthalten. Siemens und die CDU-FDP-Regierung ignorieren diese Gefahren.“

Auch beim Uranabbau zeichnet sich laut Koczy ab, dass die Probleme der Radioaktivität noch lange bleiben werden. Uran wird vielfach im offenen Tagebau unter höchsten Risiken gewonnen. Im Gebiet der Mine im Bundesstaat Bahia lebt die Bevölkerung in Angst vor Gesundheitsschäden angesichts der durch Greenpeace nachgewiesenen Verseuchung des Wassers. Acht Brunnen mussten geschlossen werden. Forderungen der Zivilgesellschaft nach sauberem Wasser, Lebensmittelkontrollen und Gesundheitsüberwachung werden ignoriert.


Brasilien verfügt über die sechstgrößten Uranvorkommen der Welt. Da noch nicht einmal 30% des brasilianischen Territoriums untersucht wurden, könnten die Reserven noch größer sein. Allerdings befinden sich diese auch auf indigenem Boden bzw. im Amazonas. 
Über die Gefahren und gesundheitlichen Folgen des Uranabbaus wird nicht nur in Brasilien wenig diskutiert. Das in der Erde befindliche Uranmetall ist ungefährlich, solange es mehrere Meter tief lagert. Mit der Förderung wird Uranmetall mit seinen Spaltprodukten und durch die nachfolgende Anreicherung gefährlich für alle Lebewesen: Die Büchse der Pandora ist geöffnet.

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