120 Menschen auf dem Marktplatz – Mahnwache „Fukushima ist überall“

Heute abend haben 120 Menschen sich in Lemgo an einer Mahnwache beteiligt – zum Gedenken an die Opfer in Japan und zur Aufforderung zum Ausstieg aus der Atomkraft. Eine beeindruckende An/Teilnahme angesichts der kurzfristigen Information.
Aufgerufen hatte das Bündnis des Lemgoer Anti-AKW-Spaziergangs, auf Bundesebene die Initiative ausgestrahlt.de und der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz.
Für den kommenden Montag, 21.3., 18 Uhr, ist eine weitere Mahnwache angesetzt, mit der auch Stellung zur Atompolitik der Bundesregierung genommen werden soll. Allerdings überschlagen sich derzeit die Ereignisse, so dass weitere Aktionen nicht auszuschließen sind.

Liebe Lemgoerinnen, liebe Lemgoer,

mit großer Bestürzung und Trauer verfolgen sicher wir alle die schrecklichen Nachrichten aus Japan. Unser tiefes Mitgefühl gilt den Opfern und ihren Angehörigen und Freunden, den Verletzten und allen anderen Geschädigten.

Die Nachrichtenlage ist auch für die Menschen in Japan unklar, und das ist entsetzlich: Informationen über Opferzahlen und –namen fehlen; es drohen weitere schwere Nachbeben; das Ausmaß der atomaren Katastrophe ist noch nicht absehbar.

In Japan ist Weiß die Farbe der Trauer. Deshalb haben wir weiße Kerzen angezündet. Lemgo ist eine Stadt mit einer besonderen Verbundenheit mit Japan. Durch das Engelbert-Kämpfer-Gymnasium, die Engelbert-Kämpfer-Gesellschaft, aber auch durch die Mitgliedschaft im Städtebündnis gegen Atomwaffen.

Deshalb ist diese Mahnwache ein Ausdruck dieser Solidarität.

Die dramatischen Ereignisse führen uns allen aber auch wieder einmal schmerzhaft vor Augen:

Die Technik der Atomkraft ist nicht beherrschbar und nicht verantwortbar. Aus dem vermeintlich verschwindend geringen sog. „Restrisiko“ ist schon viel zu oft der reale Ernstfall geworden mit tödlichen Folgen für Menschen und Natur.

Deshalb haben die Bürgerinitiativen Umweltschutz in Deutschland diese Mahnwachen angeregt, die gerade im ganzen Land stattfinden.

Die Bundesregierung will, dies hat sie eben erklärt, nun die Sicherheit der deutschen Atomkraftwerke neu überprüfen lassen. Dies kann bedeuten, dass einzelne AKWs für drei Monate abgeschaltet werden. Nach dem vorherigen Atomkompromiss wären es bis heute 4 Atomkraftwerke. Das beschlossene Gesetz bleibt aber bestehen.

Für viele der hier Stehenden ist dieser Vorschlag viel zu wenig. Es stimmt sehr bedenklich, dass die Sicherheit erst jetzt ein Argument für die Laufzeit von Kernkraftwerken sein soll. Wir fordern einen schnellen Ausstieg aus der Atomkraft und eine sofortige Stilllegung der ältesten Reaktoren.

Lemgo ist weitgehend atomstromfrei und wird sich auch weiterhin für eine klimaschonende Energie und Energieeffizienz einsetzen. Ich bin froh, dass wir auch in unseren städtischen Leitzielen ein klares Bekenntnis zu erneuerbaren Energien formulieren.

Zu dieser Mahnwache hat die Bundesweite Bürgerinitiative Umweltschutz aufgerufen. Vor Ort hat sich das Lemgoer Anti-Atom-Bündnis um die Organisation bemüht. Es ist eine parteiunabhängige Veranstaltung, und deshalb wehen hier heute auch keine Parteifahnen.

Am Montag, 21. März soll eine erneute Mahnwache stattfinden. Wir wissen aber nicht, ob es nicht schon vorher neuen traurigen Anlass dazu geben wird.


Dr. Burkhard Pohl (Redebeitrag zur Mahnwache)

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